Lustiges rund um "Bund" & Militär" (2)
Viele Bilder! Unter Umständen lange Ladezeiten!
Gilt dieser Text auch für Reservisten?
Ich bin wirklich froh, dass ich bei der Bundeswehr war. Fallschirmjäger.
Ich kann mitreden. Zivis können das nicht! Frauen auch nicht.

Das Gesprächsthema Bundeswehr ist ein todsicheres Mittel, eine
Super-Party oder einen wunderschönen Abend innerhalb von 5 Minuten zu
eine Veranstaltung zu machen, die von jeder Beerdigung in punkto "Spaß"
getoppt wird.

Das geht so: wenigstens drei echte Männer sitzen auf Ullas und Sörens
Hochzeitsfeier zusammen und irgendeiner trinkt sein Bier mit der
Bemerkung :"Das letzte Mal hab´ ich so gesoffen, als ich Ausscheider bei
der Bundeswehr war." Und jetzt fragt irgendein Dödel "wo warste denn?".

"Panzerbataillon blablabla in Tralala. Wir hatten die Leopard-Panzer."
Und * zack *, jetzt steigen sämtliche alten Kameraden am Tisch mit ein.

Zuerst stellt jeder seinen Truppenteil vor, als wäre es DIE Eliteeinheit
der Bundeswehr schlechthin gewesen, selbst wenn es sich um eine
brunsdämliche Instandsetzungskompanie gehandelt hat. Nachdem nun jeder
jedem erklärt hat, warum ER in einer Eliteeinheit war und DER ANDERE
nicht ("WIR haben wenigstens das Kämpfen gelernt, IHR habt doch bloß
Gewehre repariert". "Ohne uns hättet IHR im Ernstfall nichts zum
Schiessen gehabt und wie ihr kämpfen konntet, haben wir ja an dem
ruinierten Material gesehen") und dann werden kalte Kriegserlebnisse
ausgetauscht, die jeden Stalingradveteranen vor Neid erblassen lassen
("Ich erinner´ mich noch, wie wir auf Wache die Kuh erschossen haben",
"ich weiß noch, wie wir mit unserem Brückenlegepanzer im
Eisenbahnviadukt hängengeblieben sind", "ich hab aus Versehen mal zwei
Hercules-Raketen auf einen Modellflieger abgeschossen").

Währenddessen vergeht den anwesenden Mädels am Tisch das bisher noch
höfliche Grinsen und verwandelt sich in eine Mischung aus Bitterkeit und
Langeweile. Hin und wieder pfeift irgendeine Gewissensgurke "ich war
beim Zivildienst", was von den harten Maschinengewehrbedienmannschaften
kurz mit einem "na ja, die muss es auch geben" ignoriert wird.

Nun sollte man meinen, dass irgendwann einmal jeder der Himmelhunde sein
witzigstes/spannendstes/aufregendstes Erlebnis berichtet hat und dann
wieder Normalität eintritt und es wieder Gesprächsthemen für alle gibt -
aber Pustekuchen.

Nachdem man sich gegenseitig bestätigt hat, dass die Bundeswehr "damals
schon geil war" und jeder seine witzigste Unteroffiziersstory zum Besten
gegeben hat (Ulla besäuft sich vor Langeweile, während Sören, der
politisch korrekte Zivildienst-leistende und T4 Ausgemusterte mit
halbzugeklappten Augendeckeln in der Nase bohrt), gehen die alten
Frontschweine - nun voll in Fahrt - zum Nahkampf über: jetzt werden
Detailfragen geklärt, wie z.B. "wir hatten noch diesen alten Stahlhelm
nach dem Amimuster", "Ne, wir hatten schon diese neuen, die wie die
deutschen alten Stahlhelme aussehen".

Ulla trinkt eine Flasche Wodka auf ex und Sören repariert die verstopfte
Toilette während sich die anwesenden Ex-Abschrecker ein Quiz mit so
interessanten Fragen, wie herum man z.B. den Verschluß in ein MG42
einzusetzen hatte ("immer mit den Rollen nach hinten") oder wo der
Schalthebel für Dauerfeuer beim G3 sitzen musste, ("Mittelstellung") geben.

Während die Kampfsäue über Patronentaschen und Gürtelschnallen
schwadronieren, knallt Ulla sturzbesoffen auf den Tisch, derweil Sören
"Krieg und Frieden" von der ersten bis zur letzten Seite liest und kurz
aufmerkt, als augenscheinlich sämtliche Uniformteile erschöpfend
abgearbeitet sind.

Doch Sörens Hoffnung, sich jetzt wieder ins Gespräch einschalten zu
können, wird bitter enttäuscht, als sich Timo als Wehrdienstleistender
der NVA enttarnt. Jetzt wird der kalte Krieg noch einmal heiß
diskutiert. Timo schwört bei Lenins Leiche, dass die NVA mit den Russen
die Bundeswehr überrollt hätte. "HaHa" tönt es höhnisch zurück "ihr mit
Eurem Ostblockschrott. Ihr wärt doch maximal bis zum ersten Helmstädter
Grenzhäuschen gekommen..." (Ulla versucht, sich mit dem Tortenheber die
Pulsadern aufzuschneiden, aber Sören, der Rettungssanitäter aus
Gewissensgründen, kann das Schlimmste verhindern) und jetzt besprechen
die potentiellen Ex-Generäle Strategie, Taktik, Waffensysteme und
Befehlsstrukturen eines Krieges, der nie stattgefunden hat.

Irgendwann nachts, Sören und Ulla besprechen gerade ihre
Scheidungsmodalitäten, gehen die alten Kameraden vollgelaufen und
abgekämpft ihres Wegs und fanden die Hochzeitsfeier einfach nur gut..

Hatte ich eigentlich schon die Geschichte erzählt, wie ich 1987 in
Wildeshausen beim Manöver von meinem Beobachtungsbaum gefallen bin.....?
Sind wir Reservisten auch so?
....versenkt!
Tuning im Kosovo
(C) RK Hildesheim
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